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20. JUNI

Weltflüchtlingstag

2025 waren weltweit rund 117,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Das geht aus den neuesten Zahlen des Global Trends-Report des Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen UNHCR hervor (UNO-Flüchtlingshilfe, o. J.a). Im Dezember 2000 erklärte die UN-Vollversammlung den 20. Juni zum Weltflüchtlingstag. Seit 2001 wird deswegen jedes Jahr allen Menschen, die beispielsweise vor Krieg, Terror, Verfolgung oder Naturkatastrophen fliehen müssen, sowie jener Menschen, die auf der Flucht sterben, gedacht (Unicef, o. J.). Auch in Dortmund finden verschiedene Aktionen statt, die vor allem an die Opfer an Europas Grenzen erinnern sollen. 

Aktuelle Zahlen zu weltweiten Fluchtbewegungen 

2025 ist die Zahl der Geflüchteten erstmals seit 2016 leicht gesunken. Trotzdem sind noch immer viele Menschen auf der Flucht (bpb, 2026). Laut UNHCR gelten inzwischen 1,5 % der Weltbevölkerung als Vertriebene. Im Vergleich zum Jahr 2010 hat sich die absolute Zahl der Menschen sogar verdoppelt (UNHCR, 2025). Unter den Geflüchteten waren 2025 rund 67,2 Millionen Binnenvertriebene, die innerhalb ihres eigenen Landes vor Konflikten und Gewalt fliehen mussten und rund 50 Millionen Flüchtlinge, die ihr Herkunftsland verlassen mussten und nun in einem anderen Land leben. Dort stehen ihnen nach der Genfer Flüchtlingskonvention besondere Rechte und ein Schutzanspruch zu. Sie stehen unter dem Schutz des UNHCR Mandat der UN-Generalversammlung. Weitere rund 9 Millionen Menschen waren 2025 Asylsuchende, die im Ankunftsland einen Asylantrag gestellt haben, deren Asylverfahren aber noch nicht abgeschlossen war (UNHCR, 2025). 

Die Ursachen der Flucht und die Herkunftsländer der Geflüchteten sind vielfältig. So haben der Klimawandel und die daraus resultierenden Naturkatastrophen eine immer größere Relevanz (Aktion Deutschland Hilft, o. J.). Die meisten Menschen fliehen aber vor Kriegen oder politischen und gesellschaftlichen Krisen. Dabei spielen sowohl lang andauernde als auch neu aufgeflammte Konflikte eine Rolle. Venezuela (6,4 Millionen), Ukraine (5,2 Millionen), Syrien (4,9 Millionen), Afghanistan (3,7 Millionen) und Sudan (2,8 Millionen) stellen die fünf größten Herkunftsländer von Geflüchteten dar – viele von ihnen sind bereits seit vielen Jahren auf der Flucht (UNO-Flüchtlingshilfe, o. J.a).

2025 waren zudem 5,9 Millionen Palästinenser*innen auf der Flucht (UNHCR, 2025). Für palästinensische Flüchtlinge in den Gebieten Jordanien, Libanon, Syrien, Westjordanland und dem Gazastreifen übernimmt das UNRWA Mandat der UN-Generalversammlung die Verantwortung und nicht das UNHCR Mandat, welches für den Schutz aller anderen internationalen Geflüchteten zuständig ist. Diese unterschiedlichen Zuständigkeiten führt dazu, dass Palästinenser*innen zwar in der Gesamtstatistik aller Flüchtlinge vorkommen, aber nicht in den Aufzählungen der häufigsten Herkunftsländer (UNHCR, 2024).

Frauen und Kinder auf der Flucht

Besonders gefährdet auf der Flucht sind Frauen und Kinder. Laut UNHCR sind 39 % der Geflüchteten Kinder – eine Gruppe, die besonders wehrlos und dadurch im hohen Maße Gewalt und Willkür ausgeliefert ist (UNHCR, 2025). Die Hälfte der Menschen auf der Flucht sind Frauen und Mädchen. Sie fliehen aus denselben Gründen wie Männer: Kriege, politische Verfolgung, Armut, Menschenrechtsverletzungen, Hunger oder Klimakatastrophen. Frauen und Mädchen sind zudem von geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht (UNO-Flüchtlingshilfe, o. J.b). Dazu zählen beispielsweise Genitalverstümmelung, Zwangssterilisierung oder -heirat, Menschenhandel, Sexismus und Diskriminierung, wie beispielsweise die Verweigerung des Rechts auf Bildung oder Arbeit (Krämer & Scherschel, 2018). Auch Vergewaltigungen und sexualisierte Gewalt sind Formen geschlechtsspezifischer Gewalt, die in vielen Konflikten als strategisches Mittel der Kriegsführung eingesetzt werden und von denen in den meisten Fällen Frauen und Mädchen betroffen sind (ebd.). 

Zudem fehlen Frauen – etwa wegen fehlender Erwerbsmöglichkeiten in ihrer Heimat – häufig grundlegende finanzielle Mittel, weswegen sich viele eher zu der Flucht innerhalb des eigenen Landes entscheiden, statt weite und riskante Wege auf sich zu nehmen (ebd.). Auch während oder nach der Flucht sind besonders Frauen besonders stark von anhaltender Diskriminierung, Unterdrückung und Bedrohungen ausgesetzt (ebd.). Der mangelnde Zugang zu medizinischer Versorgung während der Schwangerschaft stellt zudem ein besonderes Gesundheitsrisiko für Frauen auf der Flucht dar (UNO-Flüchtlingshilfe, o. J.b). 

Aktuelle Verschärfung der Asylpolitik

Um geschlechtsspezifischer Gewalt besser entgegenzutreten und den Schutz von geflüchteten Frauen weltweit zu gewährleisten, wären stärker gendersensible Perspektiven in der Flüchtlingspolitik notwendig. Außerdem müssten bestehende Richtlinien, wie beispielsweise die Istanbuler Konvention, konsequenter durchgesetzt und neue Richtlinien entworfen werden. Das geschieht aktuell nicht. 

So schrieben die Soziologinnen Anna Krämer und Karin Scherschel bereits 2018: „Die gegenwärtige europäische Asylpolitik konzentriert sich auf die Abwehr von Migrationsbewegungen und trägt in ihrer aktuellen Form dazu bei, die Situation von Frauen zu verschlechtern.“ 

Dies geschehe etwa durch Abschiebungen in unsichere Länder, das Abriegeln legaler Fluchtrouten, was Frauen zu riskanten Wegen zwingt oder auch die verpflichtende Unterbringung in Erstaufnahmelagern, welche häufig wenig bis keine gendersensible Infrastruktur böten (Krämer & Scherschel, 2018).

Mit der im Mai 2024 verabschiedeten GEAS-Reform (Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems) hat sich die Situation für alle Flüchtlinge an den europäischen Grenzen weiter verschärft: Durch die GEAS sollen unter anderem Asylverfahren beschleunigt werden und der Grenzschutz an den EU-Außengrenzen sowie Asylzentren ausgebaut werden. Letztere sind zwar auf EU-Gebiet gebaut, gelten jedoch für die Flüchtlinge als nicht-eingereist (bpb, 2024). Mehrere Menschenrechtsorganisationen kritisieren die GEAS-Reform als menschenunwürdig und als einen Ausbau der „Festung Europas“ (Pro Asyl, 2024). 

Das Netzwerk UNITED for Intercultural Action dokumentiert und veröffentlicht seit 1993 jedes Jahr eine Liste, die die Namen und Todesursachen von Flüchtlingen und Migrant*innen aufgrund der restriktiven Politik der ‚Festung Europas‘ dokumentiert. Mitte 2026 zählte das Netzwerk mehr als 72.800 Menschen, die auf Grund der Asylpolitik während der Flucht oder nach der Flucht unter anderem ertrunken sind, ermordet wurden oder sich das Leben genommen haben (UNITED, 2026).

Weltfüchtlingstag in Dortmund

Weltfüchtlingstag in Dortmund

In Dortmund ruft das Aktionsbündnis Beim Namen nennen vom 9. Juni bis zum 26. Juni 2026 zu (Gedenk-)Aktionen zum Weltflüchtlingstag auf.  Mehr Informationen sowie das Programm finden sich auf der Website des Bündnisses.

Stand: Juni 2026


Quellen