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8. März

Feministischer Kampftag - Internationaler Frauentag - Weltfrauentag - Frauen*kampftag

Der 8. März, bekannt als International Women’s Day oder Feministischer Kampftag, ist seit über einem Jahrhundert ein Zeichen der Errungenschaften von internationalen Feminismusbewegungen. Der Ursprung reicht in die sozialistischen Arbeiter*innenbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts zurück. 1910 schlug die deutsche sozialistische Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor (Deutscher Gewerkschaftsbund, 2021). Dieser fand 1911 erstmals statt und wurde von den Vereinten Nationen 1977 offiziell als internationaler Aktionstag anerkannt (United Nations, o. J.). 

Zur fortbestehenden Relevanz feministischer Gesellschaftsanalyse

Obwohl in Deutschland und vielen anderen Ländern rechtliche Gleichstellung weitgehend gesetzlich verankert ist, wird in öffentlichen Debatten zunehmend behauptet, Feminismus sei überholt oder nicht mehr notwendig. Eine empirische Betrachtung zentraler gesellschaftlicher Indikatoren zeigt jedoch, dass signifikante strukturelle Ungleichheiten fortbestehen. Feminismus ist in diesem Kontext nicht nur ein Trendthema, sondern eine geschlechtergerechte Perspektive der Betrachtung von Machtverhältnissen, institutionellen Strukturen und sozialen Ungleichheiten.

Ökonomische Ungleichheit

Der Gender Pay Gap

Ein zentraler Indikator geschlechtsspezifischer Ungleichheit ist der Gender Pay Gap. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (2025) lag der Gender Pay Gap in Deutschland im Jahr 2025 bei 16 %. Frauen erzielten durchschnittlich 22,81 Euro brutto pro Stunde, Männer 27,05 Euro. 

Die Ursachen liegen unter anderem in der horizontalen Segregation des Arbeitsmarktes, also der erhöhten Verteilung von Frauen in gering entlohnten Branchen, sowie in der vertikalen Segregation, also der Unterrepräsentation in Führungspositionen (Antidiskriminierungsstelle des Bundes, 2026; Koebe et al., 2020). Hinzu kommen Erwerbsunterbrechungen, die sich auf den Lohn auswirken, im Zusammenhang mit Sorgearbeit und Familienplanung. Die langfristigen Konsequenzen zeigen sich besonders deutlich in der Alterssicherung. Frauen sind signifikant häufiger von Altersarmut betroffen als Männer (Schlapeit-Beck, 2022). Ökonomische Ungleichheit ist somit nicht allein individuelles Ergebnis von Berufsentscheidungen, sondern Ausdruck struktureller Rahmenbedingungen. Und wenn diese strukturellen Unterschiede, wie der Branche, Arbeitszeit und Qualifikation aus dem Gender Pay Gap herausgerechnet werden, verbleibt ein unerklärter Rest-Unterschied von rund 6 % (Statistisches Bundesamt, 2025).

Der Gender Care Gap

Neben der Erwerbs-/Lohnarbeit spielt unbezahlte Sorgearbeit eine zentrale Rolle für gesellschaftliche Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern. Der sogenannte Gender Care Gap beschreibt die geschlechtsspezifische Differenz im zeitlichen Umfang unbezahlter Care-Arbeit. Frauen leisten in Deutschland durchschnittlich rund 44 % mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer (BMFSFJ, 2025; DIW, 2022).

Diese ungleiche Verteilung wirkt sich unmittelbar auf die Entscheidung des Arbeitszeitmodells und dadurch die Erwerbstätigkeit aus. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit oder unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von familiären/sozialen Verpflichtungen. Der Gender Care Gap fungiert damit als Mechanismus zur Reproduktion ökonomischer Ungleichheit. Durch die zeitlich längere Ausübung von unbezahlter Arbeit findet eine strukturelle Benachteiligung statt. Obwohl politische Maßnahmen wie der Ausbau von Kinderbetreuung oder Elterngeldregelungen Fortschritte bewirkt haben, bleibt eine strukturelle Angleichung bislang aus (BMFSFJ, 2018).

Ungleiche Verteilung von Macht

Repräsentation von Frauen in Wirtschaft und Politik

Auch in Führungspositionen zeigt sich eine deutliche Unterrepräsentation von Frauen. Der Frauenanteil in Führungspositionen lag 2024 bei 29,1 %. In absoluten Zahlen betrachtet heißt dies, dass in Deutschland im Jahr 2024 1,32 Millionen Männer eine Führungsposition ausübten, während es nur 540.000 Frauen waren. Diese Werte haben sich in den letzten zehn Jahren kaum verändert (Statistisches Bundesamt, 2025b). Trotz gesetzlicher Quotenregelungen bleiben insbesondere hohe Führungspositionen männlich dominiert. 

Im Deutschen Bundestag liegt der Frauenanteil derzeit bei 32,4 % und ist somit zum vergangenen Bundestag gesunken. Auch wenn der Anteil zwischen den Parteien unterschiedlich hoch ist, zeigt sich im Durchschnittswert eine deutliche Unterrepräsentation von Frauen im politischen Kontext (Deutscher Bundestag, 2025). Damit ist eine paritätische demokratische Repräsentation nicht erreicht. Politikwissenschaftliche Analysen verweisen auf strukturelle Hürden in parteiinternen Auswahlprozessen sowie geschlechtsspezifische Rollenerwartungen, die zum Hindernis für Frauen werden. Demokratische Gleichberechtigung setzt jedoch voraus, dass gesellschaftliche Vielfalt in politischen Entscheidungsstrukturen angemessen repräsentiert ist, was in Deutschland aktuell nicht gegeben ist (Höhne, 2020).

Geschlechtsspezifische Gewalt und Femizide

Geschlechtsspezifische Gewalt und Femizide stellen in Deutschland auch einen relevanten Faktor für strukturelle Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern dar. Laut Bundeskriminalamt (2024) wurden im Jahr 2023 über 250.000 Fälle häuslicher Gewalt registriert, rund 70 % der Betroffenen waren weiblich. Dies stellt einen Anstieg von 6,5 % innerhalb von drei Jahren dar. Unter diesen Fällen werden auch Taten aus dem Bereich der Partnerschaftsgewalt inkludiert. Im Jahr 2024 wurden circa 167.000 Fälle registriert, wobei die Betroffenen hier zu knapp 80 % weiblich sind. Die Tatverdächtigen sind dabei zu 77,6 % Männer. Darüber hinaus wurden 155 Frauen im Kontext partnerschaftlicher Gewalt durch den Partner oder Ex-Partner getötet (Bundeskriminalamt, 2024). Diese Zahlen stellen nur die Taten dar, welche bei der Polizei gemeldet wurden. Die Anzahl der Fälle, welche aufgrund von Faktoren wie Angst, Scham, Abhängigkeit etc. nicht gemeldet wurden, sind nicht bekannt.

In der geschlechterpolitischen Debatte werden diese Tötungsdelikte als „Femizide“ bezeichnet, also als Morde an Frauen aufgrund ihres Geschlechts oder im Kontext patriarchaler Besitz- und Kontrollansprüche (bpb, 2022). Die hohe Fallzahl verdeutlicht, dass geschlechtsspezifische Gewalt kein isoliertes Kriminalitätsphänomen darstellt, sondern Ausdruck struktureller Machtverhältnisse ist.

#klargestellt: Femizid

Internationale feministische Kämpfe: Globale Dimensionen von Ungleichheit

Feministische Kämpfe sind nicht auf nationale Kontexte beschränkt, sondern Teil internationaler Bewegungen. Weltweit mobilisieren feministische Initiativen gegen geschlechtsspezifische Gewalt, für reproduktive Rechte, für gleichen Zugang zu Bildung und für ökonomische Unabhängigkeit. Internationale Frauenstreiks, Proteste gegen restriktive Abtreibungsgesetze oder Bewegungen gegen autoritäre Geschlechterpolitiken verdeutlichen die globale Dimension geschlechtsspezifischer Ungleichheit.

UN Women (2023) weist darauf hin, dass Frauen weltweit überproportional von Armut betroffen sind, häufiger in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten und besonders stark unter den Auswirkungen von Krisen wie Pandemien, bewaffneten Konflikten oder Klimawandel leiden. Geschlechtergleichstellung ist daher explizit als Ziel nachhaltiger Entwicklung in der Agenda 2030 verankert (United Nations, 2015). Das 5. Nachhaltigkeitsziel („Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen“ (United Nations, 2015)) zeigt, dass Gleichstellung nicht nur ein Menschenrechtsanliegen, sondern eine Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung, demokratische Stabilität und wirtschaftliches Wachstum ist.

Internationale feministische Bewegungen verfolgen somit das Ziel, rechtliche und faktische Gleichstellung zu erreichen, Gewalt zu bekämpfen, reproduktive Selbstbestimmung zu sichern und intersektionale Diskriminierungsformen sichtbar zu machen. Der globale Charakter dieser Kämpfe zeigt, dass Geschlechtergerechtigkeit nicht isoliert national hergestellt werden kann, sondern in internationalen Zusammenhängen gedacht werden muss.

Die Relevanz von Feminismus heute

Die empirischen Daten verdeutlichen, dass formale Gleichstellung nicht mit realer Gleichheit gleichzusetzen ist. Der fortbestehende Gender Pay Gap, die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit, die Unterrepräsentation in Führungs- und Entscheidungspositionen sowie die hohe Zahl geschlechtsspezifischer Gewaltdelikte gegen Frauen belegen strukturelle Ungleichheiten und Machtverhältnisse zum Nachteil der weiblichen Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund bleibt Feminismus auch im Jahr 2026 eine notwendige gesellschaftliche und politische Praxis. Der Feministische Kampftag ist nicht lediglich symbolisches Gedenken, sondern Anlass zur kritischen Bestandsaufnahme bestehender Machtverhältnisse und zur Formulierung zukünftiger Gleichstellungspolitik.

Stand: März 2026

Autor*in: Mathuraa Vivekananthan

Veranstaltungen in Dortmund (und Umgebung)

Internationaler Frauentag (Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund)

Wann? Sonntag, der 08. März ab 10 Uhr gemeinsames Frühstück; ab 11 Uhr Beginn des Programms

Wo? Rathaus, Friedensplatz

Teilnahme kostenlos!

Programm: Einblick auf das Jahr2025 aus Sicht des Gleichstellungsbüros Dortmund, Betrachtung der aktuellen Herausforderungen und ein Ausblick auf die Arbeit der nächsten Zeit. Des Weiteren Preisverleihung des Dr. Edith Peritz-Preises und Möglichkeit an Workshops teilzunehmen. Weitere Informationen. 

Hier geht es zur Anmeldung

 

Internationaler Frauentag: Girls & Gods

Wo? Roxy Lichtspielhaus Dortmund

Wann? Sonntag, der 08. März ab 17:30 bis 19:15 Uhr

Kosten: ab 8,00 € bis 9,00 €

Zum Programm 

 

Demonstration "FAUCHEN STATT FÜGEN – WE ARE STILL LIVING FEMINISM"

Wann? Am 08.03.2026 ab 15 Uhr

Wo? Buddenbergplatz, Bochum (Hinterausgang Hauptbahnhof)

Weitere Informationen

 


Quellen