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11. Februar

Internationaler Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft

Am Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft wirbt die UN für einen geschlechtergerechten Zugang zu Wissenschaftskarrieren.

Frauen in der Wissenschaft: Zahlen, Entwicklungen und Herausforderungen

Weltweit liegt der Anteil von Frauen in der Wissenschaft bei unter 30 Prozent (UNESCO Deutschland, o.J.). Insbesondere in den MINT- Fächern (Mathematik, Naturwissenschaft, Informatik und Technik) sind Frauen stark unterrepräsentiert.

Obwohl sich in Deutschland auf allen wissenschaftlichen Karrierestufen der Frauenanteil in den letzten Jahren stetig erhöht hat, sinkt er mit zunehmender Qualifikationsstufe: 2023 erzielten Frauen mit 53 % häufiger einen Studienabschluss als Männer und stellten mit 46 % fast die Hälfte der Promotionsabschlüsse. Nach der Promotion ist allerdings ein Einbruch ihres Anteils zu beobachten, da nur noch 37 % eine Habilitation abschließen. Auch auf den Karrierestufen der hauptberuflichen Professuren sinkt der Frauenanteil weiter: In Deutschland lag er 2023 bei 29 %, wobei er in den Ingenieurwissenschaften mit 16 % am niedrigsten und mit 43 % in den Geisteswissenschaften am höchsten ausfiel (Statistisches Bundesamt, 2024). Der sinkende Frauenanteil im Vergleich zum Männeranteil zeigt sich deutlich im sogenannten Scherendiagramm – auch bekannt als „Leaky-Pipeline-Effekt“ (CEWS, 2024).

Gründe für die geringe weibliche Präsenz in der Wissenschaft sind noch immer bestehende Diskriminierungen, denen Frauen ausgesetzt sind – Männer jedoch nicht. Das gilt beispielsweise für familienbedingte Unterbrechungen (Eltern- oder Pflegezeiten), die vor allem für Frauen auf dem Weg zur Professur zum Karrierenachteil werden. Darüber hinaus spielen auch weniger sichtbare Faktoren wie Vorurteile aufgrund von Geschlechterstereotypen und sogenannte "Old-Boys-Netzwerke" eine Rolle (Deutsche UNESCO-Kommission o.J.).

Gleichstellungspolitik und Maßnahmen an Hochschulen

Eine kontinuierliche Erhöhung des weiblichen Anteils auf professoraler Ebene soll unter anderem durch gesetzliche Regelungen erreicht werden. So sieht das Landesgleichstellungsgesetz in NRW vor, dass Frauen in Stellenbesetzungsverfahren bei gleicher „Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung“ (LGG NRW § 7, Abschnitt 1) bevorzugt berücksichtigt werden müssen. Zudem müssen Hochschulen in ihren Gleichstellungskonzepten Zielquoten definieren – also zum Beispiel Professorinnenanteile festlegen, die sie innerhalb eines festgelegten Zeitraums erreichen wollen. Der Weg bis zum Erreichen ausgeglichener Geschlechteranteile auf Professuren ist jedoch noch weit: An der TU Dortmund beträgt der Professorinnenanteil auf W2- und den W3-Professuren Anfang 2026 insgesamt rund 26 %, wobei es Fakultäten mit ausgewogener Geschlechterverteilung in der Gruppe der Professor*innen gibt, aber auch drei Fakultäten, in denen der Professorinnenanteil bei unter zehn Prozent liegt.

Teil der Gleichstellungsarbeit an Hochschulen ist es auch, den Anteil an Studentinnen in MINT-Fächern zu erhöhen. An der TU Dortmund werden dazu gezielt Projekte für Mädchen angeboten, um einem geschlechterstereotypen Studien- und Berufswahlverhalten möglichst früh entgegenzuwirken.

Sichtbarkeit und Würdigung von Forscherinnen

Jedes Jahr am 11. Februar wird auf Frauen in der Wissenschaft als Vorbilder aufmerksam gemacht. Mit den „For Women in Science“-Preisen setzen sich die UNESCO und die L’Oréal Foundation seit über zwei Jahrzehnten für das Sichtbarmachen sowie die Würdigung der Leistungen und Lebensläufe herausragender Forscherinnen ein (Österreichische UNESCO-Kommission).

Einen eindrucksvollen Einblick in die Welt der Wissenschaft – sowie in die Widrigkeiten einer weiblichen Wissenschaftskarriere – bietet der Dokumentarfilm Picture a Scientist (US, 2020), erzählt aus der Sicht einer Biologin, einer Chemikerin und einer Geologin.

Trailer "Picture a Scientist"

 

Zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen soll auch auf die herausragenden Forschungsleistungen von Frauen in der Wissenschaft aufmerksam gemacht werden, die in der Vergangenheit häufig den Männern in ihrem Umfeld zugeschrieben wurden. So leistete beispielsweise die österreichische Kernphysikerin Lise Meitner einen maßgeblichen Beitrag zur Entdeckung der Kernspaltung – der Nobelpreis wurde jedoch nur an ihren Kollegen Otto Hahn verliehen. Wissenschaftsfotografin Gesine Born gibt diesen Frauen mit ihrem Projekt „Versäumte Bilder“ mittels KI die (visuelle) Würdigung und Anerkennung, die den Wissenschaftlerinnen und ihren Errungenschaften zu Lebzeiten verwehrt blieb (BMFTR, 2025).

Projekt „Versäumte Bilder – Wissenschaftlerinnen und Pionierinnen sichtbar machen“

 

Gender-Kongress 2026

Zum UN-Tag "Frauen und Mädchen in der Wissenschaft" richtet das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen den Gender-Kongress 2026 aus und lädt Hochschullei-
tungen, interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter
der Politik nach Essen ein. Der Gender-Kongress zielt darauf ab, Strategien zur Gleichstellung und Chancengerechtigkeit der Geschlechter an den Hochschulen weiterzuentwickeln und über (hochschul)politische Handlungsansätze zu diskutieren. Ausgehend vom Gender-Report 2025 über die nordrhein-westfälischen Hochschulen werden aktuelle hochschul- und gleichstellungspolitische Themen durch renommierte Expertinnen und Experten in Keynotes, Workshops und einem Podiumsgespräch aufgegriffen und gemeinsam mit den Kongressteilnehmenden diskutiert.

Gender-Kongress 2026

Stand: Februar 2026


Quellen