Lesbe, die | lesbisch (Adj.)
Als lesbisch bezeichnen sich Frauen sowie nicht-binäre Personen, die sich romantisch und/oder sexuell zu Frauen hingezogen fühlen (Queer Lexikon, 2017). Der Begriff dient sowohl der Selbstbezeichnung als auch der Fremdbezeichnung und wird erst seit den 1970er Jahren verwendet (GRA, 2015).
Lesbisch und Lesbe als aktivistischer Kampfbegriff
Die Wortherkunft der Begriffe Lesbe und lesbisch lässt sich auf die griechische Insel Lesbos zurückführen, auf der um 600 v. Chr. die Dichterin Sappho lebte. Sappho ist noch heute für ihre Gedichte bekannt, in denen sie über gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität zwischen Frauen sprach (GRA, 2015).
Vor der Etablierung des Begriffs lesbisch verwendeten homosexuelle Frauen auch das Wort schwul (GRA, 2015). In den USA setzten sich in den 1940er Jahren auch die Selbstbezeichnungen Butch und Femme durch (Rost, 2018 & Levitt et al., 2003). Erst im Zuge der feministischen Frauenbewegung der späten 1960er und frühen 1970er Jahre begannen sich lesbische Frauen zunehmend von der Schwulenbewegung abzugrenzen und der Frauenbewegung anzuschließen (GRA, 2015). Dieses Umdenken erfolgte unter anderem aufgrund der eigenen Erfahrungen als Frauen und der damit verbundenen sexistischen Diskriminierungs- und Unterdrückungsformen. Dies führte auch zu einer starken Politisierung der Lesbenbewegung und prägte ihr Selbstverständnis nachhaltig.
Entwicklung der politischen Lesbenbewegung in Deutschland
Die politische Lesbenbewegung in Deutschland entwickelte sich in den 1970er Jahren in enger Verbindung mit der Neuen (deutschen) Frauenbewegung (GRA, 2015). Lesbische Aktivist*innen organisierten sich in autonomen Gruppen, gründeten eigene Zeitschriften und Zentren und trugen feministische Themen wie Gewaltprävention, Friedenspolitik und soziale Gerechtigkeit mit (FrauenMediaTurm, 2021). Die Gründung des Deutschen LesbenRings (1982) markierte einen wichtigen Schritt zur bundesweiten Vernetzung und Sichtbarkeit. Lesben beteiligten sich an Frauenkongressen, Widerstandscamps und Demonstrationen – oft gemeinsam mit feministischen Initiativen. Gleichzeitig forderten sie rechtliche Gleichstellung, etwa durch die Abschaffung des Paragraphen 175 StGB, der gleichgeschlechtlichen Sex unter Strafe stellte. Erst 1994 wurde er auf Druck der Lesben- und Schwulenbewegung aus dem Strafgesetzbuch gestrichen (LSVD, 2020).
Gesellschaftliche und politische Dimension
In den vergangenen rund 50 Jahren hat sich für Lesben in Deutschland gesellschaftlich und rechtlich viel verändert. Ein bedeutender Meilenstein war, wie auch für andere homosexuelle Menschen, die Einführung der „Ehe für Alle“ (Will, 2023), die nicht nur rechtliche Gleichstellung brachte, sondern auch ein wichtiges Zeichen gesellschaftlicher Anerkennung setzte. Dennoch erleben Lesben weiterhin vielfältige Formen der Ausgrenzung und Abwertung.
Der LGBTI-Survey der European Union Agency for Fundamental Rights (FRA, 2024) aus dem Jahr 2024 verdeutlicht dies anhand aktueller Zahlen: So berichteten 7 % der befragten lesbischen Personen, in den letzten zwölf Monaten aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Belästigungen oder Gewalt erfahren zu haben – ein Anstieg gegenüber 5 % im Jahr 2019. Außerdem haben 45 % der Befragten in den letzten zwölf Monaten Diskriminierung in zumindest einem zentralen Lebensbereichen erlebt (FRA, 2024). Besonders im schulischen Umfeld ist die Angst vor Diskriminierung groß, weshalb 54 % der Schüler*innen ihre sexuelle Orientierung verbergen (FRA, 2024).
Lesbische Frauen und weiblich gelesene Lesben sind oftmals von doppelte Diskriminierung betroffen: Sie sind nicht nur Vorurteilen und Diskriminierung aufgrund ihrer Queerness ausgesetzt, sondern erleben zusätzlich patriarchale und sexistische Realitäten. Das Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte nennt als ein Beispiel für die Mehrfachdiskriminierung von lesbischen Frauen die Situation einer lesbischen Bewerberin auf eine Führungsposition, deren Bewerbung nicht nur abgelehnt wird, da sexistische Vorgesetze ihr aufgrund ihres Geschlechts keine Führungsposition zutrauen, sondern auch, „weil sie als gleichgeschlechtlich liebende Person in dieser Position nicht erwünscht sei“ (SKMR, 2020).
Die Überschneidung von Homofeindlichkeit und Misogynie prägt die Lebensrealität vieler Lesben und macht deutlich, wie wichtig gesellschaftliches
und politisches Engagement für mehr Gleichberechtigung und Sichtbarkeit weiterhin ist.
Wer sich über Möglichkeiten des Engagements informieren möchte, findet auf unserer Themenseite Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt Angebote zur Vernetzung und Beratung.
Stand: März 2026
Quellen
- FRA - European Union Agency for Fundamental Rights (2024). LGBTIQ Equality: Full Survey Results. https://fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/fra-2024-lgbtiq-equality_en.pdfLGBTIQ Equality: Full Survey Results (FRA report).. Zuletzt aufgerufen: 16.10.2025.
- FrauenMediaTurm (2021, Mai 14). Feministisches Archiv und Bibliothek. https://frauenmediaturm.de/neue-frauenbewegung/lesbenbewegung-1982/Feministisches Archiv und Bibliothek - 1982.. Zuletzt aufgerufen: 16.10.2025.
- GRA - Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (2015). Erläuterung der Geschichte des Begriffs Lesbe und lesbisch. https://www.gra.ch/bildung/glossar/lesben-lesbisch/Erläuterung der Geschichte des Begriffs Lesbe und lesbisch.. Zuletzt aufgerufen: 16.10.2025.
- Levitt, H. & Gerrish, E. & Hiestand, K. (2003, Februar): The Misunderstood Gender: A Model of Modern Femme Identity. In Sex Roles (Volume 48, 3. S. 99–113).
- LSVD - Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (2020). Von 1933 bis heute: Lesben und Schwule in Deutschland und der DDR. https://www.lsvd.de/de/ct/934-von-1933-bis-heute-lesben-und-schwule-in-deutschland-und-der-ddrVon 1933 bis heute: Lesben und Schwule in Deutschland und der DDR. . Zuletzt aufgerufen: 16.10.2025.
- Queer Lexikon e. V. (2017, 8. Juni). Lesbisch. https://queer-lexikon.net/2017/06/08/lesbe/Lesbisch. Zuletzt aufgerufen: 16.10.2025.
- Rost, K. (2018): Butch. https://micori.co/wp-content/uploads/2018/03/Katharina_Rost_BUTCH-Text.pdf. Zuletzt aufgerufen: 16.03.2026.
- SKMR - Schweizerisches Kompetenzzentrum für Menschenrechte (2020). Mehrfachdiskriminierung von LGBTI-Personen. Eine Machbarkeitsanalyse zur Datenerhebung. https://www.izfg.unibe.ch/unibe/portal/center_generell/c_title_fak_zen/izfg/content/e571348/e582900/e1318322/e1318324/SKMR_Machbarkeitsstudie_Mehrfachdiskriminierung_LGBTI_ger.pdf. Zuletzt aufgerufen: 19.12.2025.
- Will, D. (17.05.2023). Heute vor 33 Jahren. Das Ende einer Krankheit. Tagesspiegel. https://www.tagesspiegel.de/wissen/heute-vor-33-jahren-wenn-liebe-zur-krankheit-gemacht-wird-9829508.html. Zuletzt aufgerufen: 14.10.2025.
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