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#klargestellt: Das queerfeministische Glossar

transsexuell (Adj.)

Transsexuell ist eine Selbstbezeichnung und in medizinisch-rechtlichen Diskursen eine pathologisierende Fremdbezeichnung für Personen, deren Geschlecht von dem bei der Geburt aufgrund ihrer Genitalien zugewiesenen Geschlecht abweicht. Transsexuelle Personen sind meist ⇒ binär männlich oder weiblich, aber auch ⇒ nicht-binäre Geschlechter sind möglich. Der Wortbestandteil „sexuell“ bzw. „Sexualität“ hat nichts mit einer sexuellen Orientierung zu tun, sondern bezieht sich auf das ⇒ Sex, d. h. das körperliche Geschlecht.


Einige Personen lehnen die Bezeichnung als transsexuell explizit ab, da sie die körperliche Komponente ihres Geschlechts gegenüber der sozialen Komponente überbetont, und bezeichnen sich zum Beispiel als ⇒ transgender.

Der Begriff transsexuell entstand in medizinisch-psychologischen Diskursen, welche Transsexualität als psychische Störung klassifizieren. In der 10. Version der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10, in Kraft ab 1994) wird Transgeschlechtlichkeit noch immer als eine „Störung der Geschlechtsidentität“ aufgeführt; erst 2022 soll sich dies mit dem aktualisierten ICD-11 ändern. Viele transsexuelle und transgender Personen kritisieren, dass bestimmten menschlichen Emotionen, Gedanken oder Verhaltensweisen eine pathologisierende Deutung auferlegt wird und diese dadurch stigmatisiert werden. Zudem behält das am medizinischen Modell der Transsexualität orientierte deutsche Gesundheitssystem den Zugang zu körperlichen Behandlungen wie Hormontherapien jenen transsexuellen und transgender Personen vor, deren Erleben, Verhalten, Aussehen und Biografie den Klassifikationskriterien der Transsexualität entsprechen. Dadurch entsteht ein hoher Druck, den normativen Erwartungen des Gesundheitspersonals entsprechen zu müssen.

Nichtsdestotrotz wird der Begriff transsexuell auch gerade wegen seiner Geschichte der Pathologisierung und gesellschaftlich-medizinischen Entwertung des Lebens transsexueller Menschen von einigen als selbstermächtigender, politischer Begriff angeeignet.

Einige Transsexuelle bezeichnen sich bewusst selbst als transsexuell, weil für sie Transsexualität eine stark körperlich geprägte Angelegenheit ist und sie die Bedeutung des körperlichen geschlechtlichen Erlebens z. B. in transgender Diskursen als vernachlässigt oder abgewertet sehen. Sie betonen die Bedeutung von ⇒ Dysphorie für ihre Transsexualität, einem körperlichen oder sozialen Unwohlsein, das entsteht, weil ihr Körper, ihr Aussehen, ihr Sein oder ihre soziale Außenwahrnehmung nicht mit ihrem Geschlecht bzw. ⇒ Gender übereinstimmen. Einige binär männliche oder weibliche Transsexuelle lehnen eine Bezeichnung durch den Oberbegriff transgender auch deswegen ab, weil sie sich von geschlechtlicher Uneindeutigkeit unterschieden wissen möchten, die mit dem Begriff transgender assoziiert werden kann.

Transsexuelle und transgender Personen bilden keine einheitliche Gemeinschaft. Diskriminierungskritische Sprache respektiert und verwendet die Selbstbezeichnung unterschiedlicher Personen. Ganz egal, ob transsexuell oder nicht – in den meisten Alltagssituationen möchten Menschen einfach korrekt mit ihrem Namen und ihrem Geschlecht entsprechend angesprochen werden.

Quellen: