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„Zwischen Karriere und Kinderkacke“ – SOWOHL ALS AUCH lockte viele in die Bibliothek

SOWOHL ALS AUCH, eine Veranstaltungsreihe des Gleichstellungsbüros, nahm am 16. Mai 2017 das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Blick. Die rund 60 Besucherinnen und Besucher erhielten neben einem wissenschaftlichen Input von Prof. Michael Meuser und Benjamin Neumann aus der Fakultät Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie auch einen ganz persönlichen Erfahrungsbericht von Stefanie Lohaus, Herausgeberin des Missy Magazine, und ihrem Partner Dr. Tobias Scholz.

„Väter in Elternzeit. Aushandlungs- und Entscheidungsprozesse zwischen Paarbeziehung und Betrieb“ so lautet der Titel des MERCUR-Projekts, in dem Professor Meuser und Benjamin Neumann in Kooperation mit Kolleg*innen der Universitätsallianz Ruhr von 2014 bis 2017 forschten. Auszüge ihrer Ergebnisse präsentierten die Wissenschaftler*innen bei SOWOHL ALS AUCH. Sie berichteten, dass mittlerweile über 90 Prozent der jungen Väter zwei Monate Elternzeit in Anspruch nimmt. Diese Entwicklung ist eng verknüpft mit der Reform des Elterngeldes von 2007. Besonders interessant ist, dass auch für Paare mit traditionellem Rollenverständnis die Elternzeitnahme des Vaters mittlerweile Standard ist.

Auf betrieblicher Ebene wird dieses Modell ebenfalls angenommen. Dort wird die zweimonatige Unterbrechung vergleichbar einem langen Urlaub gesehen. Wollen Väter allerdings mehr Elternzeit nehmen, ist die Sorge vor negativen Konsequenzen zumeist groß. Nach wie vor werden Karriereeinbußen befürchtet. Dies gilt für Männer wie für Frauen.

Leben nach dem 50/50-Prinzip

Vom miteinander reden und aufeinander hören berichteten Stefanie Lohaus und Dr. Tobias Scholz, die ihre alltäglichen Aufgaben als Eltern zweier Kinder nach dem 50/50-Prinzip aufteilen. Sie lasen aus ihrem Buch „Papa kann auch stillen“ und ergänzten sehr persönliche Erfahrungsberichte über Putzpläne, den Wert eines starken Netzwerks vor Ort und die Herausforderungen, die ein zweites Kind mit sich bringt. Beide verdeutlichten, dass die Gestaltung der Lebensrealität von Eltern stets ein Aushandlungs- und Entscheidungsprozess darstellt, der reichlich Konfliktpotenzial in sich trägt. Paare, die Kinderbetreuung, Hausarbeit, Erwerbsarbeit und Freizeit gerecht aufteilen wollen, benötigen daher sehr gute Kommunikationsstrategien.

Dr. Tobias Scholz erläuterte zudem, welches Feedback das 50/50-Modell in seinem männlichen Freundeskreis bekam. Dabei bezog er sich auch auf ein Phänomen, das Prof. Meuser als homosoziale Männergemeinschaft beschrieb. In einem Kontext, der die Performance von „Männlichkeit“ in den Fokus stellt, stieß Scholz mit seiner egalitären Familienorientierung auf Unverständnis. In Vier-Augen-Gesprächen mit einzelnen Mitgliedern der Männergemeinschaft ließen diese hingegen durchblicken, dass auch sie gerne mehr Zeit für die Familie hätten. Alte Selbstkonzepte von Männlichkeit sind also in der Gruppe noch wirkmächtig, individuell aber durchaus bereits brüchig.

Um alltägliche und strukturelle Hindernissen ging es auch in der Diskussionsrunde unter reger Beteiligung des Publikums. Abschließend äußerten die Gäste ihre Empfehlungen und Wünsche an die Politik, um das Leben erwerbstätiger Eltern zu erleichtern. Dabei wurde ein Blick auf fortschrittliche Modelle anderer Länder – insbesondere der skandinavischen Staaten – empfohlen sowie der Wunsch nach einer Familienpolitik „aus einem Guss“ geäußert.

SOWOHL ALS AUCH geht im Wintersemester weiter

Die nächste Veranstaltung im Rahmen von SOWOHL ALS AUCH findet im Wintersemester statt. Den wissenschaftlichen Impuls gibt  Sabrina Schramme aus der Fakultät Rehabilitationswissenschaften. Externer Gast ist die Aktivistin, Bloggerin und Autorin Laura Gehlhaar.