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Zur aktuellen Debatte über Leipzigs Professorinnen

Die Universität Leipzig hat in der vergangenen Woche einen viel beachteten gleichstellungspolitischen Schritt getan. In der vom Senat neu verabschiedeten Grundordnung der Hochschule wird ausschließlich das generische Femininum benutzt, nicht – wie sonst oft üblich – das generische Maskulinum. Das heißt, dass zum Beispiel aus „alle Professoren“ nun „alle Professorinnen“ wird. In einer Fußnote am Anfang des Dokumentes wird darauf hingewiesen, dass mit dieser Bezeichnung sowohl die Professorinnen als auch die Professoren gemeint sind.

Debatte Leipzigs Professorinnen Über diese Änderung wurde in den Medien viel berichtet und viel geschimpft. Das Gerücht machte sich breit, an der Uni Leipzig würden die Männer jetzt mit dem weiblichen Titel angesprochen, also zum Beispiel „Herr Professorin“ genannt. Dass im Leipziger Fall nur für Sammelbegriffe die weibliche Form genutzt wird, nicht in der individuellen Anrede, blieb in der öffentlichen Debatte meist unerwähnt. Die Uni Leipzig veröffentlichte daher am 6. Juni 2013 eine Richtigstellung, um dieses Missverständnis aus der Welt zu schaffen. Die Rektorin Prof. Dr. Beate A. Schücking erklärt darin: „Die Entscheidung des Senats weist […] darauf hin, dass Frauen heute an der Universität Leipzig in der Mehrheit sind. Es ist erstaunlich, dass dieser weder logisch noch formal zu beanstandende Akt in einem Land, in dem Männer und Frauen gleichberechtigt sind, auf so viel öffentliche Beachtung stößt. Das Echo weist im Grunde darauf hin, dass es trotz aller rechtlichen Regelungen noch erhebliche Defizite auf diesem Gebiet gibt.“ Ähnlich sieht es Prof. Dr. Barbara Welzel, Prorektorin für Diversitätsmanagement an der Technischen Universität Dortmund. Gegenüber dem Onlineportal DerWesten äußerte sie sich mit Bezug zu der Debatte wie folgt: „Es lässt schmunzeln, dass es die Grundordnung einer Universität in die überregionale Presse schafft, sobald grundsätzliche Fragen der Geschlechtergerechtigkeit auf vielleicht verblüffende Weise angegangen werden.“

Auch die zentrale Gleichstellungsbeauftragte der TU Dortmund, Martina Stackelbeck, hat sich öffentlich zu der Debatte geäußert. Dem Campusradio der Ruhruniversität Bochum CT gab sie ein Interview, indem sie die Neuerung der Uni Leipzig begrüßte. „Sie scheint sehr gut geeignet zu sein, über das Thema geschlechtergerechte Sprache eine Diskussion in Gang zu bringen“, sagte Martina Stackelbeck. Gleichzeitig betonte sie jedoch, dass die Uni Leipzig mit ihrer neuen Grundordnung nicht unbedingt Vorbildcharakter hat. „Wirklich vorbildlich ist alles das, was eben tatsächlich in geschlechtergerechter  Sprache beschrieben wird“, erklärte sie. Dann also, wenn keines der beiden Geschlechter sprachlich ausgeschlossen wird. Die TU Dortmund hält sich an diesen Grundsatz. „Wir sprechen immer von Studierenden, Beschäftigten, Professorinnen und Professoren etc.", sagte Prof. Dr. Barbara Welzel gegenüber DerWesten und betonte, dass sich so an der TU Dortmund „keines der Geschlechter durch die Nennung des jeweils anderen mitgemeint fühlen muss.“

 

Links:

Mitschnitt des CT-Radiobeitrags „Herr Professorin“ und das Interview mit Martina Stackelbeck.

„Herr Professorin“ ist für NRW Hochschulen kein Vorbild (DerWesten, 07.06.2013)

Richtigstellung: Kein "Herr Professorin" an der Universität Leipzig (06.06.2013)

Linguist zur Uni Leipzig: "Wir benachteiligen Frauen" (Interview mit Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin zum Thema. Spiegel online, 10.06.2013)