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#klargestellt: Das queerfeministische Glossar

Bisexualität (Bi+sexualität), die | bisexuell (Adj.)

Bisexualität wird von der lateinischen Vorsilbe bi- für zwei abgeleitet und beschreibt die sexuelle Orientierung, bei der sich eine Person romantisch und/oder sexuell von zwei oder mehr Geschlechtern angezogen fühlt. Es wird auch die Bezeichnung Bi+sexualität verwendet, um die Vorsilbe bi- zu erweitern.


Von welchen Geschlechtern sich eine bisexuelle Person angezogen fühlt, ist individuell unterschiedlich (Swan & Habibi 2018). Beispielsweise können sich bisexuelle Menschen zu Frauen und Männern oder zu Frauen und ⇒ nicht-binären Personen oder zu Männer, Frauen und nicht-binären Personen hingezogen fühlen.

Es gibt verschiedene und auch kontrovers diskutierte Definitionen von Bisexualität. Die Unterschiede beziehen sich insbesondere darauf, auf welche Geschlechter sich das Begehren bisexueller Menschen richtet, ob das eigene Geschlecht in ihr Begehren eingeschlossen ist oder eingeschlossen sein muss und in welchem Maße die Sexualität mit all diesen Geschlechtern ausgelebt wird (Baumgartner & Malipaard, 2021, Swan 2018). Eine einheitliche Definition für Bisexualität gibt es daher nicht (Swan 2018).

Das gesellschaftliche Bild von Bisexualität ist geprägt von Klischees, Stereotypen und Vorurteilen, die auch vom Geschlecht der bisexuellen Personen abhängig sind. Beispielsweise haben die Psychologinnen D. Joye Swan und Shani Habibi in ihrer Arbeit gezeigt, dass die Gesellschaft wesentlich mehr sexuellen Kontakt zwischen zwei Frauen toleriert und diese weiterhin als ⇒ heterosexuell beschreibt. Hat ein Mann dagegen Sex mit einem Mann, wird er als homosexuell kategorisiert (Swan & Habibi 2018, S. 40f.). Gleichzeitig gilt Bisexualität als Übergangsphase oder muss „bewiesen“ werden, indem bisexuelle Personen Beziehungen mit mindestens zwei Geschlechtern führen müssen, um auch wirklich als bisexuell zu gelten (Baumgartner & Malipaard, 2021, S. 7). Aus diesen Vorstellungen resultiert, dass Bisexualität nicht mit monogamen Beziehungskonzepten oder Treue vereinbar sei (Baumgartner & Malipaard, 2021, S. 6).

Bisexuelle Menschen brechen, anders als homosexuelle Menschen, nicht nur mit der heterosexuellen Norm der Gesellschaft, sondern auch mit einer monosexuellen Ordnung. Letztere bezieht sich auf die gesellschaftliche Trennlinie zwischen homosexuellem und heterosexuellem Begehren und der Annahme, Menschen würden sich dauerhaft nur zu einem Geschlecht hingezogen fühlen (Roberts et al. 2015).

Bisexualität ist eine eigenständige sexuelle Orientierung. Diese wird über das eigene romantische und/oder sexuelle Begehren definiert und nicht über sexuelle Erfahrungen, aktuelle Partner*innen oder gesellschaftliche Annahmen validiert.

Quellen:

Baumgartner, R. & Maliepaard, E. (2021): Bisexuality in Europe : sexual citizenship, romantic relationships, and Bi+ identities. Routledge. https://doi.org/10.4324/9780367809881

Swan, D. J. & Habibi, S. (2018): Bisexuality: Theories, Research, and Recommendations for the Invisible Sexuality . Springer.

Swan, D. J. (2018): Defining Bisexuality: Challenges and Importance of and Toward a Unifying Definition. In Bisexuality: Theories, Research, and Recommendations for the Invisible Sexuality (pp. 37–60). Springer.

Roberts, T. S.; Horne, S. G. & William, H.T. (2015): Between a Gay and a Straight Place: Bisexual Individuals’ Experiences with Monosexism (pp.554-569), Journal of Bisexuality 15,4.