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#klargestellt: Das queerfeministische Glossar

Femme, der/die | femme (Adj.)

Femme ist eine (Selbst-)Bezeichnung von meist lesbischen oder queeren Personen, die ihre Geschlechteridentität eher feminin ausdrücken.


Femme stammt ursprünglich aus dem Französischen und bedeutet „Frau“. Der Begriff etablierte sich vermutlich in den 1940er Jahren in der amerikanischen Subkultur, als es für Frauen erlaubt war ohne männliche Begleitung Bars zu besuchen (Levitt et al. 2003). Anfangs wurde der Begriff für lesbische Frauen verwendet, die ihre Geschlechterpräsentation eher „feminin“ ausdrückten. Femmes kleideten sich oft entsprechend heteronormativer Erwartungen an Frauen und trugen beispielsweise hohe Schuhe, Kleider oder Röcke. Sie wurden als Gegenpart zur ⇒ Butch gesehen, die eher eine maskuline Geschlechterpräsentation hat.

Bis zu den 1950er Jahren waren Butch-Femme-Paare in der lesbischen Subkultur sehr gängig (Goldberg, 2016). Im Kontext des „Second-Wave-Feminism“ entstand in den späten 1960ern und 1970ern ein Wandel in Bezug auf die Butch-Femme-Dynamik. Lesbische Aktivist*innen kritisierten, dass von lesbischen Paaren erwartet werde, heterosexuelle Paare zu kopieren (Theophano 2004). Die lesbische Bewegung widersprach dem Bild, dass eine Beziehung einen „femininen“ und „maskulinen“ Part benötige.
Femmes wurde vorgeworfen, patriarchale Strukturen internalisiert zu haben und heteronormative Stereotype zu übernehmen, um als heterosexuell wahrgenommen zu werden und somit weniger homophobe Diskriminierung zu erfahren. Demgegenüber argumentierten Femmes, dass sie sich den Erwartungen an lesbische Frauen durch ihr bewusstes feminines Auftreten widersetzten. (Theophano 2004)

In den 1980er und 1990er Jahren wurden die Bezeichnungen Femme und Butch im Kontext des „Third-Wave-Feminism“ neu definiert. Sie dienten weniger einer binären (Fremd-)Zuordnung lesbischer Frauen, als vielmehr der Selbstbezeichnung und des Ausdrucks der Identität (Levitt et al. 2003). Femme ist nicht länger eine exklusive Bezeichnung für lesbische Frauen, sondern kann als Selbstbezeichnung von Menschen unabhängig ihrer Geschlechteridentität oder Sexualität genutzt werden. In den 1990er Jahren entwickelte sich zudem der Begriff „high femme“. Damit beschreibt sich eine Geschlechterpräsentation, die überspitzt feminin ist (Goldberg 2016). Zur selben Zeit wurde Femme auch als Fremdbeschreibung für feminin auftretende schwule Männer verwendet, die in der Schwulen Community abgewertet wurden (Them 2018).

Der misogynen Bewertung von Weiblichkeit stehen Femmes entgegen. Ihre queere Femininität ist selbstbestimmt und keine Erfüllung patriarchaler Normen ans „Frau-sein“. Femme bedeutet auch eine Wiederaneignung von Weiblichkeit und dem spielen mit Geschlechterrollen und Erwartungen (Tepest 2019). Das Hinterfragen von ⇒ binären Geschlechterrollen erlaubt einen freieren Ausdruck der Geschlechteridentitäten außer- und innerhalb queerer Räume.

Quellen:

Goldberg, Abbie E. (2016): The SAGE encyclopedia of LGBTQ studies. SAGE publications.

Levitt, Heidi M.; Gerrish, Elisabeth A.; Hiestand,  Katherine R. (2003): "The misunderstood gender: A model of modern femme identity." Sex Roles 48.3, 99-113.

Them (2018): Munroe Bergdorf Explains the History of the Word ‘Femme’. Letzter Zugriff: 07.06.2022.

Tepest, Eva (2019): "Sichtbarkeit von queeren Femmes. Die subversive Kraft des Lippenstiftes." Der Tagesspiegel, 26.07.2019. Letzter Zugriff: 07.06.2022.

Theophano, Teresa (2004): Butch-Femme. Letzter Zugriff: 07.06.2022.