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#klargestellt: Das queerfeministische Glossar

Schriftzug #klargestellt mit Diversity-Logo

Eine Verständnishilfe für Begriffe zu Geschlecht und Sexualität

„Das habe ich noch nie gehört!“ oder „Was war das noch einmal genau?“ – wenn Sie diese Reaktion von sich selbst oder anderen in Bezug auf Begriffe aus dem Themenspektrum Geschlecht und Sexualität kennen, dann haben wir ein Angebot für Sie. Das queerfeministische Glossar stellt ohne Anspruch auf Vollständigkeit eine Auswahl von Bezeichnungen vor, die sich zumeist auf Geschlechtlichkeit und Sexualität von Menschen beziehen. Es soll dazu anregen, den eigenen Sprachgebrauch im Alltag sowie im Hochschulkontext zu hinterfragen, Wissen erweitern und Möglichkeiten aufzeigen, wie Sprache diskriminierungskritisch genutzt werden kann.

#klargestellt ist Teil unseres Projekts „Geschlechtergerechte Sprache“, denn für erfolgreiche Gleichstellung ist es wichtig, einige Begriffe klarzustellen. Geschlechtergerechtigkeit bedeutet die Durchsetzung der Gleichberechtigung aller Geschlechter, d. h. den Abbau bestehender struktureller Benachteiligung aufgrund des Geschlechts. Geschlechtergerechtigkeit stellt auch die Frage danach, welches bzw. wessen Geschlecht oder sexuelle Orientierung sprachlich (un)sichtbar und (un)denkbar gemacht wird. Mit der queerfeministischen Autor*in Laurie Penny gesprochen: „Wir können nur werden, was wir uns vorstellen können und wir können uns nur das vorstellen, was wir artikulieren können“ (eigene Übersetzung; Laurie Penny: Bitch Doctrine, 2017). Um Geschlechtergerechtigkeit zu verwirklichen, brauchen wir Worte, die Geschlecht und sexuelle Orientierung respektvoll artikulieren und sichtbar machen können.

Die Begriffe in diesem Glossar sind mit vielschichtigen, wandelbaren Bedeutungen aufgeladen. Einige beziehen sich auf gesellschaftlich marginalisierte Gruppen. Wir möchten, wo immer möglich, auf kritische Diskurse und Selbstdefinitionen marginalisierter Communities zurückgreifen, welche verletzende und normierende Fremdbezeichnungen zurückweisen, sich Begriffe aneignen und selbstermächtigend umdeuten. Gleichwohl sind die Definitionen stets nur eine Näherung an individuelle Definitionen einzelner Personen.

Das Glossar soll sich im gegenseitigen Austausch mit Leser*innen weiterentwickeln.

Wir stellen regelmäßig unter dem #klargestellt die Definition eines Begriffs zur Diskussion. Sie haben Fragen oder Anregungen? Diskutieren Sie mit und tragen Sie zu einem besseren Verständnis der Begriffe bei! Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen .


Glossar

Wenn Sie Vorschläge haben, welche Begriffe wir in dieses queerfeministische Glossar mit aufnehmen sollten, freuen wir uns

  1. binär (Adj.) | binäre Geschlechterordnung, die
  2. cis, cisgeschlechtlich (Adj.) | sprich: [zis]
  3. Drag (Substantiv, kein Artikel)
  4. Enby
  5. Gender, das
  6. Gender Pay Gap, der
  7. LSBTTIAQ[+] (Abk.) | engl. LGBTTIAQ[+]
  8. (Neo-)Pronomen
  9. nicht-binär/ non-binary (Adj.) | Nicht Binarität, die
  10. Queerfeminismus, der
  11. Sex, das
  12. trans* (Adj.)
  13. transgender (Adj.)
  14. transsexuell (Adj.)
  1. binär (Adj.) | binäre Geschlechterordnung, die

    Binär stammt vom lateinischen bini für „paarweise“ oder „zu zweit“. Binär basiert auf der Annahme zweier sich gegenseitig ausschließender, notwendig aufeinander bezogener Gegensätze. Gut und Böse, Körper und Geist, homosexuell und heterosexuell sind Beispiele binärer, westlicher Konzepte.

    [...]
  2. cis, cisgeschlechtlich (Adj.) | sprich: [zis]

    Cis bzw. cisgeschlechtlich ist eine Bezeichnung für Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem ⇒ Sex übereinstimmt, das ihnen bei ihrer Geburt anhand der Genitalien zugeschrieben wurde. Cis Personen identifizieren sich mit dem ⇒ sozialen Geschlecht, das ihnen anhand ihrer angeborenen Körpermerkmale zugeschrieben wird. Das heißt z. B.: Cis Männer sind Männer, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde und die sich damit identifizieren.

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  3. Drag (Substantiv, kein Artikel)

    Drag ist eine in höchstem Maße diverse, ambivalente, kulturelle Form, die hier nur skizziert werden kann. Drag kann sowohl Ausdruck einer persönlichen Identität als auch eine künstlerische Performance sein. Für die einen ist Drag inhärent politisch, für die anderen eine visuelle, performative Kunstform.

    [...]
  4. Enby

    Enby ist ein Substantiv, das ⇒nicht-binäre Personen beschreibt. Es stammt von der englischen Abkürzung NB für non-binary, die „enby“ ausgesprochen wird. Enby ist vergleichbar mit den Substantiven Mann/Frau/Junge/Mädchen, die es ersetzt. Das Wort wird inzwischen auch im deutschen Sprachraum genutzt, um nicht-binäre Menschen als Subjekt in der Sprache sichtbar zu machen.

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  5. Gender, das

    Gender ist eine wichtige Analysekategorie in den Geister-, Sozial- und Kulturwissenschaften und zentraler Ausgangspunkt in der Gleichstellungspolitik. Es bezeichnet die Geschlechtsidentität bzw. soziale Geschlechterrolle. Daran geknüpft sind Verhaltensweisen, Aktivitäten, Eigenschaften, Lebensbedingungen und Chancen, die eine bestimmte Gesellschaft für unterschiedliche Geschlechter für angemessen hält. Beispielsweise können sich abhängig vom Gender die Beteiligung an politischen Entscheidungen, Lebensbedingungen wie Betroffenheit von Gewalt, Verteilung von Geld, Stereotype, Rollenzuweisungen oder auch dominante Bilder in den Medien unterscheiden.  

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  6. Gender Pay Gap, der

    20 % - so viel weniger verdienten Frauen in der Bundesrepublik im Vergleich zu Männern im Jahr 2019.1 Diese durchschnittliche Lohnlücke zwischen Männern und Frauen wird als Gender Pay Gap bezeichnet. Deutschland liegt über dem europäischen Durchschnitt (16 % in 2017) und im Jahr 2017 war die Lücke in nur zwei anderen EU-Ländern größer: In Estland und der Tschechischen Republik.2 Der deutsche Wert ist seit 2002 fast gleichgeblieben und unterscheidet sich stark zwischen Westdeutschland und Berlin (21 %) und Ostdeutschland (7 %).3

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  7. LSBTTIAQ[+] (Abk.) | engl. LGBTTIAQ[+]

    Diese Abkürzung steht im Deutschen für die Selbstbezeichnungen ⇒Lesbisch, ⇒Schwul, ⇒Bisexuell, ⇒Transsexuell, ⇒Transgender, ⇒Intergeschlechtlich, ⇒Asexuell und ⇒Queer. Im Englischen steht sie für Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual, Transgender, Intersex, Asexual, und Queer/Questioning. Häufig wird auch die kürzere Form LSBT, bzw. im Englischen LGBT, genutzt. Die Abkürzung kann auch als Adjektiv-Kette genutzt werden, wenn die einzelnen Buchstaben kleingeschrieben werden, z. B. wie in „lsbttiaq Personen“.

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  8. (Neo-)Pronomen

    Im Deutschen schlägt sich die ⇒ binäre Geschlechterordnung auch sprachlich in der Verwendung binärer Pronomen nieder. „Sie“/“ihr“ bzw. „er“/“sein“ sind die verbreiteten Pronomen, welche das Geschlecht derjenigen Person repräsentieren sollen, für die sie stehen. Dennoch dürfen alle Menschen selbst bestimmen, mit welchen Pronomen sie angesprochen werden möchten. Einige Menschen wechseln im Laufe ihres Lebens die Pronomen, mit denen sie angesprochen werden möchten, oder bevorzugen mehrere Pronomen, z. B. weil sie trans und/oder intergeschlechtlich und/oder ⇒ nicht-binär sind. Es ist wichtig, die gewünschten Pronomen eines Menschen zu verwenden. Im Zweifel ist es hilfreich, höflich nach den richtigen Pronomen zu fragen.

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  9. nicht-binär/ non-binary (Adj.) | Nicht Binarität, die

    Die Bezeichnung nicht-binär ist dem Begriff „non-binary“ aus anglophonen Diskursen des globalen Nordens entlehnt. Nicht-binär beschreibt eine große Bandbreite unterschiedlicher Weisen, das eigene Geschlecht zu erleben: Viele nicht-binäre Personen verorten ihre Geschlechtsidentität zwischen männlich und weiblich, d. h. sie sind weder ganz weiblich noch ganz männlich bzw. weder immer weiblich noch immer männlich. Manche haben eine nicht-binäre Identität, die sich fließend zwischen männlich und weiblich bewegt oder wechselt. Wieder andere haben ein nicht-binäres Geschlecht, das völlig unabhängig von den Konzepten „Mann“ und „Frau“ ist. Dazu kann auch gehören, kein Geschlecht bzw. eine neutrale Geschlechtsidentität zu haben. All diese Personen haben gemeinsam, dass ihr Geschlecht nicht der ⇒binären Geschlechterordnung folgt.

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  10. Queerfeminismus, der

    Queerfeminismus bezeichnet eine vielschichtige, sowohl aktivistische als auch akademische Strömung des Feminismus, die in Deutschland seit den 1990er Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnt. Queerfeminismus geht davon aus, dass Geschlecht nicht biologisch oder psychologisch vorherbestimmt ist, sondern den Menschen ein ⇒ soziales und ⇒ körperliches Geschlecht, sowie daran gebundene Geschlechterrollen gesellschaftlich zugeschrieben werden. Geschlecht, Körper und Sexualität haben demnach wandelbare Bedeutungen, die historisch und kulturell gewachsen sind. Die vermeintlich natürliche Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität (d. h. die Organisation der Gesellschaft anhand der zwei Geschlechter Mann und Frau, die ausschließlich einander begehren sollen) werden als gesellschaftliche Normen kritisiert. Queerfeminismus geht stattdessen von einer differenzierten Bandbreite der Geschlechter, Sexualitäten und Begehrensformen aus.

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  11. Sex, das

    Sex bezeichnet das biologische Geschlecht. Es kann anhand verschiedener Dimensionen wie Gene, Geschlechtschromosomen, Hormone, Keimdrüsen, innere Geschlechtsorgane und äußere Geschlechtsmerkmale bestimmt werden. Jedoch ist das biologisches Geschlecht nicht immer eindeutig bestimmbar. In Teilen der Humanbiologie wird Sex nicht mehr als dichotome Ausprägung entweder des männlichen oder des weiblichen Geschlechts verstanden, sondern als ein Spektrum klassifiziert. Dabei wird auch die breite körperliche Variation innerhalb der Gruppe der Menschen mit XX- oder XY-Chromosom berücksichtigt.

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  12. trans* (Adj.)

    Das Sternchen steht als Platzhalter für alle Begriffe, welche an die Vorsilbe „trans“ angehängt werden können: ⇒ transsexuell, ⇒ transgender, ⇒ transidentisch, ⇒ transgeschlechtlich etc. (LAG Lesben 52). Das Adjektiv trans* kann als radikal inklusive Sammelbezeichnung für alle Menschen dienen, die sich nicht oder nicht ausschließlich mit dem Geschlecht identifizieren, dem sie bei der Geburt zugewiesen wurden. Hierbei sollte beachtet werden, dass es sich dabei um eine Selbstbezeichnung handelt, die nicht alle transgeschlechtlichen Personen verwenden.

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  13. transgender (Adj.)

    Transgender ist eine Selbstbezeichnung von Personen, die nicht das ⇒ Geschlecht haben, das ihnen bei der Geburt anhand ihrer Genitalien zugewiesen wurde. Dazu kann auch gehören, sich nur teilweise mit dem zugewiesenen Geschlecht zu identifizieren. Transgender Personen können männlich oder weiblich sein, aber auch das ⇒ Zwei-Geschlechter-Modell infrage stellen. Beispielsweise zählen sich auch viele ⇒ nicht-binäre, ⇒ genderfluide oder auch ⇒ genderqueere und gänzlich außerhalb der Kategorie Geschlecht verortete Personen zu der Bezeichnung transgender, aber nicht alle. Der Wortbestandteil „trans“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „hinüber“ oder „jenseitig“; Gender bezieht sich auf das soziale Geschlecht.

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  14. transsexuell (Adj.)

    Transsexuell ist eine Selbstbezeichnung und in medizinisch-rechtlichen Diskursen eine pathologisierende Fremdbezeichnung für Personen, deren Geschlecht von dem bei der Geburt aufgrund ihrer Genitalien zugewiesenen Geschlecht abweicht. Transsexuelle Personen sind meist ⇒ binär männlich oder weiblich, aber auch ⇒ nicht-binäre Geschlechter sind möglich. Der Wortbestandteil „sexuell“ bzw. „Sexualität“ hat nichts mit einer sexuellen Orientierung zu tun, sondern bezieht sich auf das ⇒ Sex, d. h. das körperliche Geschlecht.

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