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#klargestellt: Das queerfeministische Glossar

transgender (Adj.)

Transgender ist eine Selbstbezeichnung von Personen, die nicht das ⇒ Geschlecht haben, das ihnen bei der Geburt anhand ihrer Genitalien zugewiesen wurde. Dazu kann auch gehören, sich nur teilweise mit dem zugewiesenen Geschlecht zu identifizieren. Transgender Personen können männlich oder weiblich sein, aber auch das ⇒ Zwei-Geschlechter-Modell infrage stellen. Beispielsweise zählen sich auch viele ⇒ nicht-binäre, ⇒ genderfluide oder auch ⇒ genderqueere und gänzlich außerhalb der Kategorie Geschlecht verortete Personen zu der Bezeichnung transgender, aber nicht alle. Der Wortbestandteil „trans“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „hinüber“ oder „jenseitig“; Gender bezieht sich auf das soziale Geschlecht.


Die Selbstbezeichnung transgender wurde u.a. in den 1970er Jahren durch Virginia Prince (1912-2009) geprägt. Prince sah sich nicht in den damals in den USA verfügbaren Begriffen Transvestit oder ⇒ transsexuell repräsentiert. Schließlich ging es bei ihrem Geschlecht einerseits nicht um eine Verkleidung und andererseits strebte sie keine operativen Veränderungen ihres Körpers an, wie es das medizinische Modell von Transsexualität vorsieht. Virginia Prince‘ Selbstbezeichnung als „Transgenderist“ und die heutige Bezeichnung transgender gehen häufig mit dem Wunsch einher, sich von der Pathologisierung durch das medizinisch-psychiatrische Modell der Transsexualität abzugrenzen. In der 10. Version der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD-10, in Kraft ab 1994) wird Transgeschlechtlichkeit noch immer als eine „Störung der Geschlechtsidentität“ aufgeführt; erst 2022 soll sich dies im ICD-11 ändern.

Seit den 1990er Jahren erfuhr der Begriff transgender eine zunehmende Ausweitung. Er wird heute von einer großen Bandbreite von Menschen als Selbstbezeichnung verwendet und umfasst ein unendliches Spektrum der Geschlechter. Viele Menschen, die transgender sind, verstehen eine Geschlechtsangleichung als sozialen statt als ausschließlich körperlichen Veränderungsprozess, betonen soziale Geschlechterrollen und Geschlechtsausdruck und kritisieren eine Fixierung auf die ⇒ körperliche Komponente von Geschlecht .

Transgender Personen können körperliche Veränderungen wünschen, um z. B. einem Erleben von ⇒ Dysphorie entgegenzuwirken. Dazu kann die Einnahme von Hormonen gehören, die der Körper nicht produzieren kann. Dies ist aber kein Alleinstellungsmerkmal von Menschen, die sich als transgender bezeichnen. 

Transgender ist nicht gleichbedeutend mit transsexuell. Viele transsexuelle Menschen können aus verschiedenen Gründen eine Fremdbezeichnung durch den Oberbegriff transgender ablehnen, und anders herum. Diskriminierungsfreie Sprache respektiert und verwendet die Selbstbezeichnung unterschiedlicher Menschen.

Quellen:

  • Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg). „Transgender“. LSBTIQ-Lexikon. 27.03.2017, letzter Abruf 14.05.2020.

  • Deutsche Aidshilfe e. V. „ICD-11: WHO wertet Trans* nicht mehr als ‚mental oder verhaltensgestört‘“. Meldung 19.06.2018, letzter Abruf am 15.05.2020.

  • LAG Lesben in NRW e. V. (Hrsg). Fibel der kleinen Unterschiede. 10. Aktualisierte und überarbeitete Auflage, Düsseldorf, 2019.

  • Rönicke, Katrin. „Lila165 Trans*-Mythen und Forschung. Mit Felicia Ewert“. Der Lila Podcast. Feminismus aufs Ohr, Spotify, veröffentlicht am 28.11.2019.

  • Spahn, Annika & Wedl, Juiette (Hrsg.) Schule lehrt/lernt Vielfalt – Praxisorientiertes Basiswissen und Tipps für Homo-, Bi-, Trans- und Inter*freundlichkeit in der Schule. Edition Waldschlösschen Materialien, Heft 18, 1. Auflage, Göttingen 2018, S. 241.

  • Queer Lexikon (o.J.). „Transgender", letzter Abruf am 24.05.2020.

  • Wecker, Mara & Altmeier, Lisa. „Trans-Begriff: Wie man über Transgender spricht“. Puls, 04.12.2015, letzter Abruf 07.05.2020.

  • Yahya Chouchi (Username), Kommentar zur Lila Podcast Folge „Lila165 Trans*-Mythen und Forschung. Mit Felicia Ewert“, Der Lila Podcast Blog, 02.12.2019, letzter Abruf 14.05.2020.