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#klargestellt: Das queerfeministische Glossar

Butch, die/der | butch (Adj.)

Butch ist eine (Selbst-)Bezeichnung von meist lesbischen Personen mit eher maskuliner Geschlechtspräsentation und/oder eher maskulinem Geschlechtsbewusstsein.


Benutzt wird die (Selbst-)Bezeichnung auch von ⇒nicht-binären Personen und nicht-lesbischen oder weiblichen Personen. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet der Begriff ‚maskulin‘. Gegenüber der Butch steht häufig die Femme. Der Begriff hat sich wahrscheinlich in den 1940er Jahren in amerikanischen Subkulturen etabliert und bezeichnete zu Beginn vornehmlich Frauen, die durch ihr äußeres Erscheinungsbild außerhalb von geschützten Orten wie Lesben-Bars für Männer gehalten wurden. Heute wird die Butch-Bezeichnung nicht immer für tatsächlich als Mann gelesene Personen verwandt. Der Begriff beschreibt vielmehr Menschen, die sich in einer alternativen, nicht-stereotypen und nicht-heteronormativen Art von Feminität ausdrücken (Rost 2018). Ziel ist somit nicht, als Mann gelesen zu werden.

Personen, die sich durch ihre nicht-normative Genderperformance ausdrücken, werden wegen ihrer alternativen Feminität insbesondere außerhalb aber auch innerhalb der LSBTQI-Gemeinschaft diskriminiert. In den 1970er und frühen 1980er Jahren gab es eine (meist weiße) feministische Bewegung, die bestimmte Arten des ‚Andersseins‘ ausschlossen. Darunter fielen beispielsweise Schwarze Lesben und Lesben mit nicht-normativ femininer Genderperformance. Publikationen, wie Gender Trouble: Feminism and the Subversion of Identity von Judith Butler haben in den 1990ern dabei geholfen, Maskulinität als nicht-exklusiv dem Mann zugeschrieben zu interpretieren. Butler argumentierte, dass Sexualität und Geschlecht performativ sind (Manders, 2020). Trotzdem hielt die Ausgrenzung von insbesondere nicht-normativ femininen Lesben in großen Teilen der Gesellschaft an.

Die (Selbst-)Bezeichnung „Butch“ ist immer noch umstritten. Es gibt mindestens seit den 1970er Jahren das Vorurteil, dass Butch-Femme-Beziehungen Kopien heterosexueller/-normativer Beziehungs-/Machtmodelle sind. Durch solche Aussagen werden den Beziehungspartner*innen jegliche Queerness bzw. emanzipative Intention abgesprochen, also Handlungsspielräume/Wünsche, ihre eigene Lust, Bedürfnisse und Vorlieben unabhängig von Normen auszuleben (Glösel, 2011). Die Psychologinnen Levitt und Hiestand sprechen sich gegen solche Vorurteile aus, denn es handelt sich bei lesbischen Butch-Femme-Beziehungen dezidiert um Liebesbeziehungen zwischen Frauen. Diese Paarbeziehungen sind stets mit öffentlicher Diskriminierung konfrontiert. Es kann davon ausgegangen werden, dass dies Folgen für die Art der Beziehungen hat und sich eigenständige Gender-Kategorien bilden, „die das dichotome System von Frau und Mann [erweitern]“ (Rost, 2018).

Heute nimmt die Nutzung der (Selbst-)Bezeichnung „Butch“ wieder zu. Ein Grund dafür ist das (Wieder-)Aneignen der Bezeichnung von Lesben und „die Ausformung einer eigenen Subkultur […] seit den 1980er und 1990er Jahren [, um] die sexuelle Konformität der feministischen 1970er Jahre, während derer eine Vielzahl an sexuellen Handlungen und jegliche Art von Spiel mit maskulinen Elementen der eigenen Geschlechtsidentität verpönt waren, aufzubrechen“ (Rost, 2018).

In der Diskursreihe Butler, Butch, Beyoncé werden Phänomene und Begriffe wie dieser diskutiert. Dabei findet sich die (Selbst-)Bezeichnung „Butch“ an prominenter Stelle im Titel der Reihe.

Quellen:

„Lexikon.“ In: 100mensch.de. Letzter Zugriff: 27.05.2021.

Manders, Kerry (2020): „The Renegades.“ In: nytimes.com, Letzter Zugriff: 06.07.2021.

Rost, Katharina (2018): „Butch.“ In: micori.co. Letzter Zugriff: 27.05.2021.

Glösel, Kathrin (2011): „Eine Kopie der Norm?“ In: oeh.univie.ac.at. Letzter Zugriff: 27.05.2021