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#klargestellt: Das queerfeministische Glossar

cis, cisgeschlechtlich (Adj.) | sprich: [zis]

Cis bzw. cisgeschlechtlich ist eine Bezeichnung für Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem ⇒ Sex übereinstimmt, das ihnen bei ihrer Geburt anhand der Genitalien zugeschrieben wurde. Cis Personen identifizieren sich mit dem ⇒ sozialen Geschlecht, das ihnen anhand ihrer angeborenen Körpermerkmale zugeschrieben wird. Das heißt z. B.: Cis Männer sind Männer, denen bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde und die sich damit identifizieren.


Der Begriff „cis“ bzw. „cisgeschlechtlich“ ist den Bezeichnungen ⇒ „trans“ bzw. „transgeschlechtlich“ entgegengesetzt. Er wurde in den 1990er Jahren von trans Aktivist*innen eingeführt, die eine sprachliche Gleichberechtigung von cis und trans Personen anstrebten. Der Begriff sollte dem Umstand entgegenwirken, dass lediglich cis Männer und cis Frauen als Männer und Frauen im Sinne der gesellschaftlichen Norm bezeichnet werden, während trans Menschen sprachlich als abweichend markiert werden (Aultman 2014:61-62). Die US-amerikanische Professorin und Trans-Aktivistin Susan Stryker (2008) schlug vor, die Bezeichnungen cis Mann bzw. cis Frau genauso zu verwenden, wie die Bezeichnung als „Schwarze1 Frau“ oder „weißer Mann“.

Die Bezeichnung als „cis“ bzw. „cisgeschlechtlich“ ist somit einerseits eine positive Identifikationsmöglichkeit für cis Personen. Sie ist zum anderen politisch, denn sie weist auf Privilegien hin, die cis Menschen zuteilwerden. Dieser Mechanismus wird als ⇒ Cissexismus bezeichnet: Cis Personen werden dafür belohnt, die Annahme zu erfüllen, dass alle Menschen in einer Gesellschaft cisgeschlechtlich, d.h. nicht trans, sind oder sein sollten (Eisner 2013:22).

Die Gegenüberstellung von „cis“ und „trans“ lässt jedoch ⇒ intergeschlechtliche Personen außen vor. Sie erleben Diskriminierung und Gewalt auch, wenn sie sich mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren – egal ob dies inter oder ein anderes Geschlecht ist (Spahn & Wedl 2018:235).

Die Zuweisung des männlichen oder weiblichen Geschlechts an cis Personen bedeutet nicht, dass sie die damit einhergehenden gesellschaftlichen Anforderungen an sie erfüllen, erfüllen wollen oder können. Auch cis Frauen können als nicht „korrekt“ weiblich oder als gar nicht weiblich erachtet und dafür gesellschaftlich sanktioniert werden, z. B. weil ihr Geschlechtsausdruck, ihre Körperformen, ihr Verhalten oder ihre Nicht-Heterosexualität die weibliche Norm nicht erfüllen. Die Vorsilbe „cis“ macht darauf aufmerksam, dass es keine „geborenen“ Frauen gibt, sondern dass die Zuweisung des Frauseins immer auch eine Anweisung bzw. eine Anforderung ist (Ahmed 2017:14-15).

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1 Die Bezeichnung Schwarz wird hier bewusst großgeschrieben, da es sich dabei um eine politische Selbstbezeichnung für eine Identität handelt, nicht um ein biologisches Attribut (Sow, Noah. Deutschland Schwarz Weiß. Goldmann Verlag, 4. Auflage, 2009, S. 19).  Dies ist eine im deutschen und anglophonen akademischen Umfeld etablierte Schreibweise.

Quellen:

  • Ahmed, Sara. Living a Feminist Life. Duke UP, 2017, S. 14-15.
  • Aultman, B. „Cisgender“. In TSQ: Transgender Studies Quarterly, Volume 1, Numbers 1-2, KeywordSection, Duke UP, 2014, S. 61-62.
  • Eisner, Shiri. Bi - Notes for a bisexual revolution. Seal Press, 2013, S. 17, 22.
  • Spahn, Annika & Wedl, Juliette (Hrsg.) Schule lehrt/lernt Vielfalt – Praxisorientiertes Basiswissen und Tipps für Homo-, Bi-, Trans*- und Inter*freundlichkeit in der Schule. Edition Waldschlösschen, 2018, S. 235.
  • Stryker, Susan. Transgender History. Berkeley, CA: Seal, 2008.