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Leithilfe: Diskriminierungskritischer Sprachgebrauch

Ein sensibler und fairer Umgang mit Sprache ist keine Kunst. Mithilfe einiger simpler Methoden sind diskriminierungsfreie Formulierungen einfach zu finden. Wir möchten Ihnen im Folgenden die wichtigsten Formen für eine präzise und faire Sprache vorstellen.

Wenn Sie sich grundlegend mit den wissenschaftlichen Hintergründen oder intensiver mit den anwendungsbezogenen Möglichkeiten  diskriminierungsfreier Sprache beschäftigen möchten, finden Sie hier (an dieser Stelle einen Anker nach unten setzen) weiterführende Links.

 

Paarformen:

Paarformen werden überwiegend an solchen Stellen verwendet, an denen Männer und Frauen explizit sichtbar gemacht werden sollen. Sie tauchen als Vollformen oder als Kurzformen  auf.

 

Vor- und Nachteile der Paarformen

Im Gegensatz zu genderneutralen Formulierungen („die Studierenden“) wird das Geschlecht bei der Verwendung von Paarformen („Studentinnen und Studenten“) inhaltlich zu einem zentralen Element. Die Paarformen schließen jedoch Personen mit nicht eindeutiger geschlechtlicher Zuordnung [GS1] [EB2] [SM3] aus. Sie sollten hierbei bedenken, dass Sie sich bei Benennen und Sichtbarmachen des Geschlechterdualismus (Mann-Frau) in dem allgemein etablierten Gedankensystem einer binären Geschlechtlichkeit bewegen. Wenn Sie eine genderinklusive Sprache nutzen möchten, die auch inter* und nicht binäre Menschen mit einschließt, sollten Sie auf den Gender-Gap, oder besser noch auf das Gender-Sternchen zurückgreifen.

 

Paarformen - Vollformen:

Vollformen werden insbesondere im Fließtext verwendet. Sie können die Konjunktionen und, oder, bzw. in Fließtexten nutzen. In verkürzten Texten kann auch mit dem Schrägstrich anstelle der Konjunktion gearbeitet werden.

 

Beispiele:

Alle Studentinnen und Studenten müssen die Leistung schriftlich erbringen.

Eine Studentin oder ein Student im Master-Studium kann nominiert werden.

Die Studentin bzw. der Student muss die Leistung schriftlich erbringen.

Die Studentin/ der Student kann sich bei Beratungsbedarf an diese Stelle wenden.

 

Paarformen - Kurzformen (= Sparschreibung):

Die weibliche und männliche Form werden nicht vollständig genannt. Die Sparschreibung eignet sich für den Mailverkehr oder verknappte Texte, wie Formulare oder Fragebögen. Für das wissenschaftliche Arbeiten sollten jedoch Vollformen verwendet werden. Die vom Duden anerkannte Schreibweise der Kurzform ist die Variante mit Schräg- und Bindestrich. Mit der Weglassprobe kann überprüft werden, ob die Sparschreibung verwendet werden kann. Beim Weglassen des Schräg- und Bindestriches und der Endung–  in oder -innen muss die korrekte männliche Form stehen bleiben.

 

Beispiel:

Richtig: Mitarbeiter/-innen, Professor/-in, Sekretär/-in, Student/-in

Falsch: Professor/-innen, Studenten/-innen, Student/-innen, Ärzt/-innen

 

Varianten:

Neben der Schreibweise mit Schräg- und Bindestrich gibt es noch weitere Formen, wie zum Beispiel  das Binnen-I (MitarbeiterInnen) oder die Schreibweise mit Klammern (Kolleg(inn)en).

 

Gendersternchen*, Gap_ und Kolon:

Zum Sichtbarmachen von Diversität und somit dem Einbeziehen nicht binärer und inter* Personen kann das Gendersternchen in Form eines Asterisks  (Student*in), der Gender Gap (Student_in) oder das Gender Kolon (Student:in) verwendet werden.

Im März 2020 hat Duden online den Genderstern als Begriff aufgenommen - gleiches gilt für Gendersternchen und Gender Gap - mit folgender Bedeutungsbeschreibung:

„(bei Personenbezeichnungen) zwischen Wortstamm beziehungsweise maskuline Flexionsendung und femininer Flexionsendung gesetzter Asterisk, der der sprachlichen Gleichbehandlung aller Geschlechter dienen soll (z. B. Leiter*innen, Pilot*in)“[1]

Das Gleichstellungsbüro der TU Dortmund empfiehlt die Nutzung des Gendersternchens als inklusivste Form des Genderns. Das Sternchen fällt auf, soll bewusst zum Stolpern anregen und somit auf marginalisierte Geschlechter aufmerksam machen. Seine Herkunft hat das Sternchen in der Informatik und ist dort Platzhalter für beliebig viele andere Zeichen; eine angemessene Metapher um Diversität zu unterstreichen.

Alle hier besprochenen Formen werden durch eine kurze Pause im Wort an Stelle des Sonderzeichens gesprochen  (Glottisverschlusslaut).

Die Verwendung von Gendersternchen, Gap und Kolon  sollte in wissenschaftlichen Arbeiten erst nach Rücksprache mit der Lehrkraft verwendet werden.

 

Geschlechtsneutrale oder geschlechtsabstrakte Formulierungen:

Eine weitere Möglichkeit ist die Formulierung mit geschlechtsneutralen oder geschlechtsabstrakten Substantiven. Diese Ausdrücke bieten sich an, um Personen zu benennen, ohne Auskunft über ihr Geschlecht zu geben.

Geschlechtsneutralität ist grundsätzlich nur im Plural gegeben, wohingegen geschlechtsabstrakte Substantive im Singular und im Plural verwendet werden können, da sie geschlechtsunspezifisch sind.

 

Beispiele:

Geschlechtsneutral: die Studierenden, die Lehrenden, die Angestellten.

Geschlechtsabstrakt: das Kind, der Mensch, die Lehrkraft, die Hilfskraft.

 

Umformulierungen:

Mit Umformulierungen können Personenbezeichnungen oder komplizierte Formulierungen vermieden werden. Die verschiedenen Methoden der Umformulierung sind:

 

Satzbildungen mit unpersönlichen Pronomen (alle, diejenigen, jene, etc.):

Beispiel:

Wer die Prüfung XY ablegen möchte, muss den Leistungsnachweis YZ erbringen. (Anstatt: Der Student oder die Studentin, der oder die die Prüfung XY ablegen möchte, muss den Leistungsnachweis YZ erbringen).

 

Umformulierung mit Infinitiv:

Das Formular ist vollständig auszufüllen.
(Anstatt: Der Prüfer hat das Formular vollständig auszufüllen.)

 

Umformulierung mit Passivformen:

Die Umfrage wird vom Personaldezernat erstellt.
(Anstatt: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Personalabteilung erstellen die Umfrage.)

 

Umformulierung mit Adjektiven:

Technische Hilfe wird benötigt.
(Anstatt: Die Hilfe eines Technikers wird benötigt.)

 

Direkte Anrede:

Bitte beachten Sie die Aushänge.
(Anstatt: Die Studenten und Studentinnen haben die Aushänge zu beachten.)

 

Geschlechtergerechte Ansprache:

Die korrekte Anrede ist sehr wichtig. Die akademischen Grade, Amtstitel oder Funktionsbezeichnungen sollten geschlechtergerecht verwendet werden. Für die Deklination von Abkürzungen gibt es zwei Regeln:

Endet die Abkürzung auf einem kleinen Buchstaben, wird ein in oder ein a hinter dem Punkt (hochgestellt) hinzugefügt.

 

Beispiele:

Professorin = Prof.in[SM4] / Prof.in

Doktorin = Dr.in/ Dr.in

Bakkalaurea = Bakk.a/ Bakk.a

Magistra = Mag.a/ Mag.a

 

Endet die Abkürzung auf einem großen Buchstaben, wird auf den Punkt verzichtet und ebenfalls ein in oder ein a (hochgestellt) hinzugefügt.

 

Beispiele:

Diplomingenieurin = DIin/ DIin

Amtsrätin = ARin/ ARin