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28.06.2021: Jahrestag der Stonewall Unruhen

Heute ist der 52. Jahrestag der Stonewall Riots, welche sich 1969 auf der Christopher Street in New York ereigneten. Seither finden weltweit Proteste und Paraden statt, wie beispielsweise die Christopher Street Day Parade, die auf die Rechte von lsbtiq+ Menschen aufmerksam machen, „ein Kampf, den die LGBTIFQ+-Bewegung bis heute fortsetzt.“ ("Die Geburtsstunde", 2019). Die Stonewall-Unruhen gelten als ein Ursprung für die LSBTIQ+-Bewegung.

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Im 20. Jahrhundert war die Gesetzgebung für lsbtiq+ Personen auch in den USA stark restriktiv. So waren alle homosexuellen Handlungen und das Tragen von ‚nicht-geschlechtskonformer‘ Kleidung verboten. Schwule Männer fürchteten zum Beispiel Sanktionen und Aufenthalte in Zuchthäusern. Lesbische Frauen wurden Opfer von staatlich geschützter Gewalt und verloren häufig das Sorgerecht für ihre Kinder. Gewalt, Vergewaltigung und Diskriminierung waren Gefahren, denen lsbtiq+ Menschen täglich ausgesetzt waren. (Aichberger, 2019)

Auslöser für die sich heute jährenden Unruhen war eine Razzia in der Bar ‚Stonewall Inn‘. Razzien fanden damals häufig statt. Treffpunkte von lsbtiq+ Personen oder Bars und Clubs, die Homosexuelle bedienten, bekamen oft keine Ausschankerlaubnis oder ihnen wurde diese entzogen. Viele Nachtclubs wurden daher als ‚Privatclubs‘ geführt. Bei Razzien kam es vermehrt zu Übergriffen durch die Polizei. Teilweise wurden die Identitäten der Verhafteten ohne Erlaubnis veröffentlicht oder den Arbeitgeber*innen mitgeteilt. Bei den Zwangsgeouteten handelte es sich hauptsächlich um männlich identifizierte Personen in Frauenkleidern ("Die Geburtsstunde", 2019).  

Unruhen im Kontext einer größeren Bürgerrechtsbewegung

Bis zum Ende der 1960er Jahre hatte die Schwulenrechtsbewegung in den Vereinigte Staaten an Stärke und Popularität gewonnen. Es gab vor den Stonewall Unruhen vermehrt Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und lsbtiq+ Besucher*innen von Bars und Nachtclubs sowie Proteste, beispielsweise gegen die Ausgrenzung von Homosexuellen vom Militär. 1924 wurde außerdem die Society for Human Rights gegründet, die gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben kämpfte (Grinberg, 2019). Die Stonewall-Unruhen stehen damit im Kontext einer größeren Bürgerrechtsbewegung in den USA.

Unter den Protestierenden waren 1969 die lesbische Stormé DeLaverie, sowie die Drag Queens Sylvia Rivera und Marsha P. Johnson (Lorenzo, 2019). Sie gelten als Anführerinnen des Protests. Heutzutage wird häufig vergessen, dass der Großteil der Protestierenden trans Menschen und insbesondere trans People of Color, Drag Kings und Queens, Sexworker*innen und obdachlose Jugendliche waren. Eben die marginalisierten Personen, die „kaum etwas zu verlieren hatten“ (Aichberger, 2007). Personen, die auch heute noch innerhalb und außerhalb der LSBTIQ+-Community viel Gewalt und Mehrfachdiskriminierung erfahren.

Am 28. Juni 1968 wehrten die Besucher*innen des Stonewall Inns sich gegen die Razzia, woraufhin sich die Polizist*innen in der Bar verbarrikadierten bis eine Spezialeinheit eintraf. Die Unruhen ließen in den darauffolgenden Tagen nicht ab. Aus den ursprünglich 500 Teilnehmer*innen am Protest in der ersten Nacht, wurden am nächsten Tag 2.000 ("Die Geburtsstunde", 2019). Einige Wochen nach Beginn der Unruhen organisierte Mattachine New York einen „gay power“ Marsch, der vom Washington Square Park zum Stonewall Inn führte. Ein Jahr nach den Unruhen, am 28. Juni 1970, feierte die LSBTQI+-Bewegung den ersten „Christopher Street Liberation Day“. In Deutschland kam diese Tradition 1979 in Berlin am zehnten Jahrestag der Stonewall-Unruhen an ("Die Geburtsstunde", 2019). Der Sozialwissenschaftler Muriel Aichberger (2019) schreibt über die historische Wirkung der Stonewall Riots: „Die globale queere Geschichte hat mit Stonewall eine radikale Seite bekommen, die sich von der Obrigkeit nicht mehr einfach auf die Fresse geben ließ.“

Weltweite Christopher Street Day Paraden und Regenbogenflaggen am Campus

Seither werden in vielen Städten weltweit CSDs (Christopher Street Days) veranstaltet. Dort wird weiterhin für die Sichtbarkeit und die Rechte von lsbtqi+ Menschen protestiert und die Erfolge und Fortschritte der LSBTIQ+-Bewegung werden gefeiert. Auch die TU Dortmund setzt ein Zeichen dafür, „dass es auf unseren Campus [keinen] Platz für Homophobie, Transphobie und jegliche Diskriminierung gibt“ (Kossakowski et al.) und hisst an verschiedenen Tagen im Jahr Regenbogenflaggen. Dazu gehört auch der 28. Juni im Andenken an die Stonewall-Unruhen. Haltet heute also die Augen auf, falls ihr am Campus seid.

Weitere Informationen

⇒ Zur kostenfreien Dokumentation über Marsha P. Johnson (YouTube).

⇒ Zur kostenfreien Dokumentation über Silvia Rivera (YouTube).

Quellen: 

Die Geburtsstunde des ‘Gay Pride‘. (2019, 28. Juni) Bundeszentrale für politische Bildung. Letzter Zugriff: 18.05.2021.

Aichberger, Muriel (2019): Stonewall was a Riot! Lübeck-Pride.de. Letzter Zugriff: 10.06.2021.

Grinberg, Emanuella (2019, 28. Juni): How the Stonewall riots inspired today’s Pride celebrations. CNN. Letzter Zugriff: 18.05.2021.

Lorenzo, Irene (2019, 28. Juni): The Stonewall uprising: 50 years of LGBT history. Stonewall.org.uk. Letzter Zugriff: 18.05.2021.

Kossakowski, Mira, et al.: Antrag für die XX. Sitzung des Senats der Technischen Universität Dortmund am XX.XX.202X „Regenbogen Beflaggung auf dem Campus.“


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